_von Frank Sommer
Die Diskussion über die Abschaffung des Bargelds zugunsten digitaler Zahlungsmethoden ist nicht neu. Seit Jahrzehnten wird über das Für und Wider gestritten. Derzeit nimmt die Diskussion erneut an Fahrt auf. Während einige die Effizienz und Bequemlichkeit des Digitalgeldes hervorheben, warnen Experten vor den potenziellen Gefahren einer bargeldlosen Gesellschaft.
In diesem Artikel beleuchten wir die fünf gravierendsten Nachteile des Digitalgeldes und stützen uns dabei auf Aussagen renommierter Fachleute sowie aktuelle Umfrageergebnisse aus Deutschland.
1. Verlust der finanziellen Privatsphäre
Bargeldtransaktionen ermöglichen Anonymität und schützen die Privatsphäre der Nutzer. Mit der Abschaffung des Bargelds würden sämtliche Zahlungen digital erfasst, was zu einer vollständigen Nachverfolgbarkeit des individuellen Kaufverhaltens führt. Und zu was führt das? Zunächst einmal zu effektiverem Marketing, dann zu lückenloser Überwachung.
Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, betonte in einem Kommentar im Handelsblatt Ende August 2021: „Wer das Bargeld beseitigt, schafft den gläsernen Menschen.“ Bürgerrechts- und Verbraucherschutz-Gruppen warnen deshalb seit Jahren vor den Folgen.
2. Gefahr von Negativzinsen und finanzieller Repression
Ohne die Möglichkeit, Bargeld zu halten, wären Sparer den Entscheidungen der Banken und Zentralbanken schutzlos ausgeliefert. In einer bargeldlosen Gesellschaft könnten Negativzinsen leichter durchgesetzt werden, da es keine Alternative zur digitalen Geldhaltung gäbe. Die Negativzinsen würden also einfach von unseren Konten abgebucht. Danke für nichts!
Der Tagesspiegel weist in einem Artikel Anfang 2016 (Titel: „Münzlos glücklich / Brauchen wir noch Bargeld?“) darauf hin, dass man sich als Verbraucher diesem Raubzug ohne Bargeld nicht mehr entziehen könne. „Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient“, findet dagegen John Cryan, Chef der Deutschen Bank. Da hat er Recht: Mit digitalen Bank-Dienstleistungen lässt sich deutlich mehr Geld verdienen.

3. Erhöhtes Risiko von Cyberkriminalität
Die vollständige Digitalisierung des Zahlungsverkehrs macht das Finanzsystem anfälliger für Cyberangriffe. Hacker könnten versuchen, auf digitale Konten zuzugreifen, was zu erheblichen finanziellen Verlusten führen kann. Derartige Fälle von „Cyberbankraub“ bzw. Phishing und Hacking sind in der modernen Welt keine Seltenheit mehr und beschäftigen ganze Cyber-Abteilungen der Polizei.
Der Datenschutzexperte „Dr. Datenschutz“ warnt in einem Beitrag schon Mitte 2012: „Ein signifikanter Anstieg der Cyber-Kriminalität ist wahrscheinlich.“ Und er sollte Recht behalten. Bargeld ist gegen solche Gefahren immun – und gerade deshalb ein Dorn im Auge globaler Datensammler.
4. Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen
Nicht alle Menschen sind mit digitalen Zahlungsmethoden vertraut oder haben Zugang dazu. Ältere Menschen, Personen ohne Bankkonto oder mit geringerer technischer Affinität könnten durch die Abschaffung des Bargelds ausgeschlossen werden. Sollen die dann verhungern und ein Zelt auf der Straße aufschlagen?
Die Bundesbank-Studie „Wie Bargeld in der Zukunft genutzt wird“ zeigt, dass insbesondere ältere Menschen und Personen ohne akademische Ausbildung den weitgehenden Verzicht auf Bargeld zwiespältig betrachten, da sie die Handhabung von digitalen Zahlungsmitteln als kompliziert und intransparent empfinden. Sie haben da einen Punkt.
5. Verlust der Kontrolle über persönliche Finanzen
Bargeld bietet eine physische Möglichkeit, Ausgaben zu kontrollieren und Budgets einzuhalten. Ohne Bargeld könnten viele Menschen den Überblick über ihre Finanzen verlieren, was zu Überschuldung führen kann. Datenschutzexperten betonen, dass die visuelle Kontrolle über die eigenen Finanzen verloren geht, die gerade für Kinder und das Erlernen des Umgangs mit Geld wichtig ist.

Klares Nein der Bevölkerung: Umfrageergebnisse zur Bargeldnutzung in Deutschland
Trotz des Trends zu digitalen Zahlungsmethoden bleibt Bargeld in Deutschland beliebt. Eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) und Appinio ergab, dass 60 Prozent der Befragten das Bargeld weiterhin als eines der zentralen Zahlungsmittel behalten möchten. Zudem zahlen 42 Prozent der Verbraucher am liebsten mit Bargeld. Eine ältere Umfrage aus dem Jahr 2019 zeigt, dass damals 64 Prozent der Befragten sich auch in zehn Jahren keine Abkehr vom Bargeld in Deutschland vorstellen können.
Diese Zahlen verdeutlichen die Skepsis in der deutschen Bevölkerung gegenüber einer vollständigen Bargeldabschaffung. Die genannten Nachteile des Digitalgeldes zeigen eindrücklich, dass Bargeld als Zahlungsmittel viele Vorteile und für freie Gesellschaften deshalb einen enormen Stellenwert hat.
Eine Abschaffung des Bargelds brächte dementsprechend erhebliche Risiken mit sich. Der Widerstand der Bevölkerung wäre da noch das kleinste Problem. Es ist aus Sicht des Autors essenziell, die Bedürfnisse und Bedenken der Bevölkerung, aber auch der Ökonomen und Finanzexperten ernst zu nehmen. Was es braucht: einen ausgewogenen Ansatz , der sowohl die Vorteile digitaler Zahlungsmethoden nutzt als auch die Vorteile des Bargelds bewahrt.
Wäre das nicht ein Vorschlag zur Güte? Statt „Entweder-oder“ machen wir „Sowohl-als-auch“. Irgendwelche Einwände?
Wie sehen Sie das? Schreiben Sie uns ihre Meinung in die Kommentare!